Durchschlafstörungen: Warum Sie nachts aufwachen und was wirklich hilft
Nachts um 3 Uhr wach und kein Schlaf mehr in Sicht? Sie schlafen abends problemlos ein, doch irgendwann mitten in der Nacht sind Sie plötzlich hellwach. Ein Blick auf die Uhr: 3.17 Uhr.
Genau sowas berichten mir Patienten.
Sie drehen sich auf die andere Seite, ziehen die Decke zurecht und versuchen, wieder einzuschlafen. Aber es funktioniert nicht. Stattdessen beginnen die Gedanken zu kreisen. Sie denken an die Arbeit, an unerledigte Aufgaben oder daran, dass Sie in wenigen Stunden aufstehen müssen.
Je länger Sie wach liegen, desto größer wird die Sorge, am nächsten Tag völlig erschöpft zu sein.
Manche Menschen erleben das nur gelegentlich. Andere wachen praktisch jede Nacht zur gleichen Uhrzeit auf. Sie schlafen vielleicht insgesamt sechs oder sieben Stunden, fühlen sich morgens aber trotzdem wie gerädert.
Solche Durchschlafstörungen gehören zu den häufigsten Schlafproblemen.
Das Entscheidende ist: Hinter dem nächtlichen Aufwachen können sehr unterschiedliche Ursachen stecken. Nicht immer ist Stress verantwortlich. Manchmal spielen die innere Uhr, Hormone, Medikamente, nächtliche Atemstörungen oder ganz alltägliche Gewohnheiten eine Rolle.
Und genau deshalb hilft auch nicht jedem Betroffenen dieselbe Maßnahme.
In diesem Beitrag möchte ich Ihnen zeigen, worauf es aus meiner Sicht ankommt, welche Ursachen häufig übersehen werden und was Sie selbst tun können, um wieder ruhiger und erholsamer zu schlafen.
Was hilft sofort, wenn Sie nachts aufwachen?
Beginnen wir mit der Frage, die Betroffene am meisten beschäftigt: Was mache ich, wenn ich jetzt gerade wieder wach geworden bin?
Zunächst sollten Sie wissen, dass nächtliches Aufwachen zum normalen Schlaf gehört. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Sie über längere Zeit wach liegen und nicht mehr einschlafen können.
Für diese Situationen empfehle ich folgendes Vorgehen:
- Schauen Sie möglichst nicht auf die Uhr. Die Uhrzeit zu kontrollieren, verstärkt häufig den inneren Druck. Aus „Ich bin wach“ wird schnell „Jetzt bleiben mir nur noch drei Stunden Schlaf“.
- Versuchen Sie nicht, den Schlaf zu erzwingen. Schlaf lässt sich nicht durch Willensanstrengung herbeiführen. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit lieber auf eine ruhige Atmung oder die Entspannung einzelner Körperregionen.
- Verzichten Sie auf das Smartphone. Nachrichten, soziale Medien und helle Displays aktivieren Sie meist eher, als dass sie beim Weiterschlafen helfen.
- Stehen Sie bei längerem Wachliegen vorübergehend auf. Wenn Sie zunehmend unruhig werden, ist es oft besser, das Bett zu verlassen. Lesen Sie bei gedämpftem Licht einige Seiten oder hören Sie etwas Ruhiges. Gehen Sie zurück, sobald Sie wieder schläfrig werden.
- Bleiben Sie am nächsten Morgen möglichst bei Ihrer gewohnten Aufstehzeit. So bleibt der Schlaf-Wach-Rhythmus stabil.
Diese Maßnahmen gehören teilweise zu einem therapeutischen Konzept, das als Stimuluskontrolle bezeichnet wird. Dabei soll das Bett wieder stärker mit Schlaf und Entspannung verbunden werden, anstatt mit Wachliegen, Grübeln und Anspannung.
Eine einzelne schlechte Nacht muss nicht gleich behandelt werden. Häufig ist es schon hilfreich, den nächtlichen Kampf gegen das Wachsein zu beenden.
Allerdings beginnt besserer Schlaf nicht erst abends im Schlafzimmer. Was Sie tagsüber tun, wie Sie mit Stress umgehen und welche Gewohnheiten Ihren Schlafrhythmus beeinflussen, ist mindestens ebenso wichtig.
Wann spricht man überhaupt von einer Durchschlafstörung?
Unser Schlaf verläuft nicht gleichmäßig. Im Laufe einer Nacht wechseln sich verschiedene Schlafstadien ab, darunter Leichtschlaf, Tiefschlaf und REM-Schlaf, in dem besonders lebhafte Träume auftreten.
Zwischen diesen Phasen kommt es immer wieder zu kurzen Wachreaktionen. Viele davon bemerken wir nicht einmal.
Eine behandlungsbedürftige Durchschlafstörung liegt näher, wenn das nächtliche Erwachen regelmäßig auftritt, die Wachphasen als belastend empfunden werden und am folgenden Tag Beschwerden entstehen.
Typische Folgen sind Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Gereiztheit oder eine deutlich verminderte Belastbarkeit.
Nach den internationalen Kriterien der ICD-11 spricht man bei mindestens dreimal wöchentlich auftretenden Beschwerden über mindestens drei Monate von einer chronischen Insomnie, sofern auch entsprechende Beeinträchtigungen am Tag bestehen. In Deutschland wird für die Diagnostik derzeit außerdem die ICD-10 verwendet, deren Zeitkriterium davon abweicht.
Entscheidend ist nicht allein die Zahl der nächtlichen Wachphasen, sondern auch, wie sehr Schlaf und Tagesbefinden darunter leiden.
Wer nachts kurz aufwacht und anschließend wieder einschläft, braucht deshalb nicht automatisch eine Therapie.
Man sollte außerdem zwischen Durchschlafstörungen und Einschlafstörungen unterscheiden. Beide können gemeinsam auftreten, haben aber nicht zwangsläufig dieselben Ursachen.
Warum wache ich immer um 2, 3 oder 4 Uhr morgens auf?
Viele Betroffene berichten, dass sie fast jede Nacht zur gleichen Uhrzeit aufwachen. Besonders häufig werden die Stunden zwischen 2 und 4 Uhr genannt.
Dahinter muss keine geheimnisvolle Störung stecken.
In der ersten Nachthälfte ist der Tiefschlaf gewöhnlich stärker ausgeprägt. In der zweiten Nachthälfte werden die REM-Phasen länger und der Schlaf insgesamt leichter. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir auf Geräusche, Wärme, Harndrang oder innere Anspannung reagieren.
Auch unsere Hormone folgen einem Tagesrhythmus.
Das Schlafhormon Melatonin steigt normalerweise am Abend an und sinkt in Richtung Morgen wieder. Cortisol wiederum beginnt gegen Ende der Nacht anzusteigen und unterstützt die Vorbereitung des Körpers auf das Aufwachen.
Diese Vorgänge sind zunächst vollkommen normal.
Wenn das Nervensystem allerdings ohnehin unter Anspannung steht, können solche natürlichen Veränderungen leichter zu längeren Wachphasen führen.
Hat das Aufwachen um 3 Uhr etwas mit der Leber zu tun?
In der traditionellen chinesischen Medizin werden bestimmten Organen feste Zeitfenster zugeordnet. Zwischen 1 und 3 Uhr wird beispielsweise die Leber genannt.
Diese sogenannte Organuhr ist ein traditionelles Erklärungsmodell. Wissenschaftlich lässt sich daraus jedoch nicht ableiten, dass regelmäßiges Aufwachen um 3 Uhr auf eine Leberstörung hinweist.
Natürlich können Erkrankungen der Leber, Gallenblase oder anderer Organe den Schlaf beeinträchtigen. Das geschieht dann beispielsweise durch Schmerzen, Juckreiz oder andere körperliche Beschwerden.
Allein aus der Uhrzeit des Aufwachens lässt sich aber keine Organdiagnose stellen.
Ich halte es deshalb für sinnvoller, nach konkreten Beschwerden und Begleitumständen zu suchen, statt die Schlafstörung vorschnell einem bestimmten Organ zuzuordnen.
Die häufigsten Ursachen von Durchschlafstörungen
1. Stress und ein dauerhaft überaktives Nervensystem
Ein häufiger Auslöser ist anhaltende innere Anspannung.
Dabei muss sich der Betroffene tagsüber keineswegs besonders nervös fühlen. Manche Menschen funktionieren im Alltag ausgezeichnet, stehen aber über Wochen oder Monate unter erheblichem Leistungsdruck.
Am Abend sind sie erschöpft und schlafen schnell ein. Nach einigen Stunden erwachen sie jedoch und sind gedanklich sofort wieder aktiv.
In der Schlafmedizin wird in diesem Zusammenhang von Hyperarousal gesprochen, also einem erhöhten körperlichen oder geistigen Aktivierungszustand.
Das erklärt auch, weshalb reine Schlafhygieneregeln manchmal wenig helfen. Wer dauerhaft angespannt ist, braucht häufig mehr als ein dunkles Schlafzimmer und den Verzicht auf Kaffee.
Hier setze ich in der Naturheilpraxis bevorzugt bei der gesamten Tagesgestaltung an: Belastung, Pausen, Bewegung, Regeneration und bewusst eingeübte Entspannungsverfahren gehören für mich zusammen.
2. Schlafapnoe: Wenn die Atmung nachts aussetzt
Eine wichtige und häufig übersehene Ursache ist die obstruktive Schlafapnoe.
Dabei kommt es im Schlaf wiederholt zu Verengungen oder Verschlüssen der oberen Atemwege. Der Körper reagiert darauf mit kurzen Weckreaktionen, um die Atmung wieder zu stabilisieren.
Betroffene bemerken diese Vorgänge nicht immer bewusst. Sie wissen lediglich, dass sie schlecht schlafen oder morgens nicht erholt sind.
Hinweise können lautes Schnarchen, beobachtete Atemaussetzer, nächtliches Luftschnappen, morgendliche Kopfschmerzen und ausgeprägte Tagesmüdigkeit sein.
Auch häufiges nächtliches Wasserlassen kann mit Schlafapnoe zusammenhängen.
Bei einem entsprechenden Verdacht sollte eine schlafmedizinische Untersuchung erfolgen. Entspannungsübungen oder Heilpflanzen können eine behandlungsbedürftige Atemstörung nicht ersetzen.
Ausführlicher beschreibe ich diese Zusammenhänge in meinem Beitrag Was ist eine Schlafapnoe?.
3. Nächtlicher Harndrang
Manche Menschen schlafen eigentlich gut, müssen aber zwei-, drei- oder viermal nachts zur Toilette.
Dafür kommen verschiedene Ursachen infrage: eine hohe Flüssigkeitsaufnahme am Abend, entwässernde Medikamente, Blasen- oder Prostatabeschwerden, Diabetes oder andere Erkrankungen.
Interessant ist allerdings auch der umgekehrte Zusammenhang: Nicht immer weckt die volle Blase den Menschen auf. Mitunter erwacht er aus einem anderen Grund und geht dann vorsorglich zur Toilette.
Bei häufigem nächtlichem Wasserlassen lohnt es sich deshalb, genauer hinzusehen.
Hilfreich kann sein, größere Trinkmengen eher über den Tag zu verteilen. Die gesamte Flüssigkeitszufuhr sollte deshalb aber nicht unnötig eingeschränkt werden.
4. Wechseljahre und hormonelle Veränderungen
Viele Frauen bemerken rund um die Wechseljahre, dass sie plötzlich schlechter durchschlafen.
Eine wichtige Rolle spielen Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche. Auch Veränderungen der hormonellen Regulation können den Schlaf beeinflussen.
Hinzu kommen manchmal innere Unruhe, Stimmungsschwankungen oder eine veränderte Stressverarbeitung.
Wer nachts regelmäßig stark schwitzt und dadurch aufwacht, sollte daher nicht ausschließlich an Stress denken.
Bei belastenden Wechseljahresbeschwerden kommen verschiedene Behandlungsansätze infrage. Neben der gezielten Behandlung vasomotorischer Beschwerden kann auch eine auf die Wechseljahre abgestimmte Verhaltenstherapie hilfreich sein.
5. Schmerzen, Reflux und andere körperliche Beschwerden
Chronische Rücken- und Gelenkschmerzen können den Schlaf erheblich beeinträchtigen. Im Liegen werden manche Beschwerden deutlicher wahrgenommen; bei anderen Menschen lösen bestimmte Schlafpositionen Schmerzen aus.
Auch Sodbrennen und nächtlicher Rückfluss von Magensäure können wiederholt wecken.
Weitere mögliche Ursachen sind nächtlicher Husten, Asthma, Juckreiz oder Beschwerden durch ein Restless-Legs-Syndrom.
Bei Letzterem treten häufig unangenehme Empfindungen in den Beinen und ein Bewegungsdrang auf, besonders in Ruhe und am Abend. Bei entsprechender Symptomatik kann unter anderem die Untersuchung des Eisenstoffwechsels einschließlich Ferritin sinnvoll sein.
Wer wiederholt durch körperliche Beschwerden aufwacht, sollte deshalb nicht nur den Schlaf behandeln, sondern vor allem nach deren Ursache suchen.
6. Alkohol, Koffein und Medikamente
Alkohol hat eine besondere Wirkung auf den Schlaf.
Er kann zunächst das Einschlafen erleichtern, beeinträchtigt aber häufig die Schlafqualität in der zweiten Nachthälfte. Der Schlaf wird unruhiger und nächtliche Wachphasen können zunehmen.
Das vermeintlich entspannende Glas Wein am Abend kann somit genau das Problem verstärken, das es eigentlich lindern soll.
Ähnlich wichtig ist Koffein. Seine Wirkung hält individuell unterschiedlich lange an. Bei empfindlichen Menschen kann bereits Kaffee am Nachmittag den Nachtschlaf beeinflussen.
Auch bestimmte Medikamente können eine Rolle spielen, darunter manche anregend wirkenden Antidepressiva, Cortisonpräparate, abschwellende Erkältungsmittel und Schilddrüsenhormone bei zu hoher Dosierung.
Hier sollte die gesamte Medikation überprüft werden. Verordnete Präparate dürfen selbstverständlich nicht eigenmächtig abgesetzt werden.
Wer regelmäßig Schlafmittel einnimmt, sollte außerdem wissen, dass manche Präparate bei längerer Anwendung zu Gewöhnung und Abhängigkeit führen können. Mehr dazu finden Sie in meinem Beitrag über Schlaftabletten und ihre Nebenwirkungen.
7. Ernährung und nächtliche Stoffwechselprobleme
Die Ernährung spielt für den Schlaf eine größere Rolle, als häufig angenommen wird.
Sehr üppige, fettreiche Mahlzeiten unmittelbar vor dem Zubettgehen können Völlegefühl und Reflux verstärken. Gleichzeitig ist es wenig sinnvoll, grundsätzlich hungrig ins Bett zu gehen.
Ich empfehle deshalb keine starre Regel wie „Nach 18 Uhr nichts mehr essen“. Entscheidend sind der individuelle Tagesrhythmus, die Verträglichkeit der Mahlzeiten und der Abstand zum Schlafengehen.
Auch nächtliche Unterzuckerungen können den Schlaf unterbrechen. Das betrifft insbesondere Menschen mit Diabetes, die Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente verwenden.
Wer nachts mit Schwitzen, Herzklopfen oder Zittern aufwacht und ein entsprechendes Risiko hat, sollte daran denken, den Blutzucker zu kontrollieren.
Bei Stoffwechselgesunden ist eine nächtliche Unterzuckerung dagegen keine typische Erklärung für gewöhnliche Durchschlafstörungen.
Weitere mögliche Auslöser und deren Zusammenhänge beschreibe ich auf meiner Übersichtsseite über die Ursachen von Schlafstörungen.
Was hilft langfristig gegen Durchschlafstörungen?
Den Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisieren
Ein regelmäßiger Tagesrhythmus gehört für mich zu den Grundlagen der Schlaftherapie.
Dabei ist vor allem eine einigermaßen konstante Aufstehzeit wichtig. Wer an manchen Tagen um 6 Uhr und an anderen erst um 10 Uhr aufsteht, verschiebt seine innere Uhr immer wieder.
Ebenso wichtig ist das Tageslicht.
Gehen Sie möglichst bald nach dem Aufstehen ins Freie. Besonders morgens wirkt natürliches Licht als starkes Signal für die innere Uhr. Es hilft, den biologischen Tag zu beginnen und den nächtlichen Schlafrhythmus zu stabilisieren.
Abends darf es dagegen ruhiger und dunkler werden.
Ich halte wenig davon, den ganzen Abend in grellem Licht zu verbringen und anschließend zu erwarten, dass das Nervensystem auf Knopfdruck auf Schlaf umschaltet.
Abends weniger Bildschirm, weniger Reize
Ein weiterer Punkt, den ich für wichtig halte, ist der bewusste Umgang mit digitalen Medien.
Smartphone, Tablet und Fernseher beschäftigen uns oft bis unmittelbar vor dem Schlafengehen. Dabei geht es nicht nur um das Licht der Bildschirme. Ebenso wichtig sind die Inhalte: Nachrichten, Diskussionen, E-Mails und soziale Medien halten den Kopf beschäftigt.
Helles, insbesondere kurzwelliges Licht kann am Abend die innere Uhr beeinflussen und die Ausschüttung von Melatonin unterdrücken. Die Auswirkungen hängen unter anderem von Lichtstärke, Dauer und Zeitpunkt ab.
Mein Vorschlag lautet deshalb: Lassen Sie das Smartphone möglichst außerhalb des Schlafzimmers und verzichten Sie in der letzten Stunde vor dem Zubettgehen auf aufwühlende Medieninhalte.
Wer das WLAN nachts abschalten möchte, kann das selbstverständlich tun. Ein gesicherter therapeutischer Nutzen der dadurch verringerten hochfrequenten elektromagnetischen Felder bei Durchschlafstörungen ist allerdings bisher nicht nachgewiesen. Der praktische Vorteil liegt oft schon darin, nachts nicht ständig online zu sein.
Tagsüber bewegen, abends zur Ruhe kommen
Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Schlafqualität verbessern.
Geeignet sind beispielsweise zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder ein individuell angepasstes Krafttraining.
Wer sich tagsüber kaum bewegt, viel sitzt und gleichzeitig einer hohen geistigen Belastung ausgesetzt ist, erlebt mitunter eine ungünstige Kombination: geistige Erschöpfung bei zu geringer körperlicher Beanspruchung.
Bewegung sollte allerdings nicht zur zusätzlichen Belastung werden. Intensive Trainingseinheiten unmittelbar vor dem Schlafengehen können bei manchen Menschen das Einschlafen erschweren.
Eine ruhige Abendrunde ist dagegen für viele eine gute Möglichkeit, den Arbeitstag abzuschließen.
Die Bettzeit nicht unnötig verlängern
Wer schlecht schläft, versucht häufig, möglichst lange im Bett zu bleiben.
Das ist verständlich, kann aber zum Problem werden.
Wenn Sie beispielsweise nur sechs Stunden tatsächlich schlafen, dafür aber neun Stunden im Bett verbringen, verlängern Sie unter Umständen vor allem Ihre Wachzeit.
Hier setzt die sogenannte Bettzeitrestriktion beziehungsweise Schlafkompression an. Ziel ist es, Schlafdruck und Schlafkontinuität zu verbessern.
Das Verfahren hat eine wissenschaftliche Grundlage, sollte bei ausgeprägten Schlafstörungen jedoch fachlich begleitet werden. Eine starke eigenständige Verkürzung der Bettzeit kann die Tagesmüdigkeit zunächst erhöhen und ist unter anderem bei bestimmten neurologischen und psychischen Erkrankungen problematisch.
Es geht also nicht darum, grundsätzlich möglichst wenig zu schlafen. Es geht darum, wieder ein günstiges Verhältnis zwischen Schlafbedarf und Zeit im Bett zu finden.
Naturheilkunde bei Durchschlafstörungen: Was kann sinnvoll sein?
In meiner Naturheilpraxis betrachte ich Schlafstörungen nicht ausschließlich als Problem der Nacht.
Für mich gehört der Schlaf zur gesamten Lebensordnung. Ernährung, Bewegung, Stressverarbeitung, Lichtverhältnisse und Regeneration beeinflussen sich gegenseitig.
Deshalb bevorzuge ich einen Ansatz, der an mehreren dieser Faktoren ansetzt, statt ausschließlich ein schlafförderndes Präparat einzunehmen.
Heilpflanzen: Baldrian, Hopfen, Melisse und Passionsblume
Zu den klassischen Heilpflanzen bei nervöser Unruhe und Schlafbeschwerden gehören Baldrian, Hopfen, Melisse und Passionsblume.
Sie werden traditionell als Tees, Extrakte oder Kombinationspräparate eingesetzt.
Die Auswahl sollte sich nach dem jeweiligen Beschwerdebild richten. Bei starker innerer Unruhe ist beispielsweise eine andere Herangehensweise naheliegend als bei nächtlichem Aufwachen durch Schmerzen.
Allerdings muss man zwischen der traditionellen Verwendung und dem wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis unterscheiden.
Für die zuverlässige Behandlung einer chronischen Insomnie ist die Evidenz zu pflanzlichen Schlafmitteln bislang nicht überzeugend. Die deutsche Insomnie-Leitlinie von 2025 empfiehlt Phytopharmaka deshalb nicht als reguläre Insomnietherapie.
Als individuell verträgliche Begleitung eines beruhigenden Abendrituals können solche Anwendungen trotzdem ihren Platz haben. Eine notwendige Diagnostik oder wirksame Schlaftherapie sollten sie nicht ersetzen.
Auch Heilpflanzen sind nicht grundsätzlich frei von Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen.
Kneippsche Anwendungen und warme Fußbäder
Ein warmes Fußbad am Abend ist eine einfache Anwendung der traditionellen Naturheilkunde.
Besonders interessant finde ich solche Anwendungen bei Menschen, die abends regelmäßig unter kalten Füßen leiden.
Hier kommt auch ein ansteigendes warmes Fuß- beziehungsweise Unterschenkelbad infrage. Dabei werden nicht nur die Füße, sondern auch die Unterschenkel ins Wasser getaucht.
Sie beginnen mit angenehm warmem Wasser von etwa 33 bis 35 Grad Celsius und erhöhen die Temperatur durch vorsichtiges Nachgießen warmen Wassers über ungefähr 10 bis 15 Minuten auf rund 39 bis 40 Grad Celsius, sofern Sie die Wärme gut vertragen. Anschließend trocknen Sie die Füße gründlich ab und halten sie warm.
Die Anwendung soll die periphere Durchwärmung unterstützen und kann subjektiv entspannend wirken. Bei Durchblutungsstörungen, ausgeprägten Sensibilitätsstörungen, diabetischer Neuropathie oder bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist sie nicht ohne vorherige Abklärung geeignet.
Ein solches Unterschenkelbad ist keine nachgewiesene Behandlung einer chronischen Insomnie. Gerade bei chronisch kalten Füßen halte ich es aber für eine interessante unterstützende Maßnahme.
Entspannung: Mein Favorit ist das Autogene Training
Einen besonders wichtigen Stellenwert haben für mich regelmäßig geübte Entspannungsverfahren.
Dazu gehören das Autogene Training, die progressive Muskelentspannung nach Jacobson und ruhige Atemübungen.
Mein persönlicher Favorit ist seit vielen Jahren das Autogene Training nach Johannes Heinrich Schultz.
Das Verfahren arbeitet mit gezielten Vorstellungen von Ruhe, Schwere und Wärme. Die progressive Muskelentspannung nutzt dagegen den bewussten Wechsel zwischen Anspannung und Lockerung verschiedener Muskelgruppen.
Beide Verfahren erfordern etwas Übung. Es ist nicht sinnvoll, sie erst dann kennenzulernen, wenn man um 3 Uhr nachts verzweifelt versucht einzuschlafen.
Besser ist es, sie tagsüber oder am frühen Abend regelmäßig zu praktizieren.
Der Vorteil des Autogenen Trainings liegt für mich darin, dass eine Fähigkeit eingeübt wird. Wer das Verfahren beherrscht, benötigt später weder eine App noch einen Sprecher oder eine besondere technische Ausstattung, um die vertraute Entspannungsreaktion einzuleiten.
Wie das funktioniert, welche Übungsstufen dazugehören und warum ich das Verfahren über mehrere Wochen erlernen lassen würde, beschreibe ich ausführlich in meinem Beitrag Autogenes Training: Wirkung, Anwendung und richtig lernen.
Entspannungsverfahren können insbesondere bei stressbedingter Anspannung hilfreich sein. Bei chronischer Insomnie sind sie jedoch am besten als Teil eines umfassenderen Behandlungskonzepts zu betrachten.
Magnesium: sinnvoll oder überschätzt?
Magnesium ist an zahlreichen Vorgängen im Nerven- und Muskelstoffwechsel beteiligt.
Bei einem tatsächlichen Magnesiummangel können Beschwerden wie Muskelkrämpfe oder neuromuskuläre Übererregbarkeit auftreten. Eine gezielte Versorgung ist dann sinnvoll.
Auch eine abendliche Einnahme kann im Einzelfall erwogen werden. Ich würde sie allerdings nicht als allgemeingültige Lösung für jede Durchschlafstörung betrachten.
Die Studienlage zur Behandlung einer chronischen Insomnie mit Magnesium ist bisher unzureichend. Aus der physiologischen Bedeutung des Mineralstoffs lässt sich nicht automatisch eine therapeutische Wirkung bei jedem Schlafproblem ableiten.
Eine zusätzliche Magnesiumeinnahme sollte außerdem zu Ernährung, Verträglichkeit und gesundheitlicher Situation passen. Besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion ist Vorsicht geboten.
Mehr über die Funktionen und die Versorgung mit diesem wichtigen Mineralstoff erfahren Sie in meinem ausführlichen Beitrag Magnesium: Wirkung, Mangel und Einnahme.
Schüßler-Salze als ergänzender Versuch?
In der traditionellen Anwendung der Schüßler-Salze wird bei nervöser Anspannung häufig Magnesium phosphoricum Nr. 7 verwendet, beispielsweise in Form der sogenannten „Heißen Sieben“.
Manche Anwender empfinden dieses Ritual als beruhigend. Ein spezifischer Wirksamkeitsnachweis zur Behandlung von Durchschlafstörungen liegt allerdings nicht vor.
Wer solche Verfahren schätzt, kann sie allenfalls ergänzend betrachten. Sie ersetzen weder eine angemessene Magnesiumversorgung noch die Abklärung körperlicher Ursachen.
Melatonin: Nicht jedes Schlafproblem ist ein Melatoninproblem
Melatonin ist ein wichtiges Signalhormon unseres Tag-Nacht-Rhythmus.
Es vermittelt dem Körper Informationen über die Dunkelphase, ist aber kein universelles Schlafmittel.
Bei bestimmten Störungen des Schlafrhythmus kann Melatonin sinnvoll sein. Für eine ausgeprägte chronische Durchschlafstörung ist die Wirkung dagegen begrenzt.
Es gibt Hinweise auf eine Wirksamkeit bestimmter Melatoninpräparate bei älteren Menschen. Die deutsche Leitlinie berücksichtigt dies insbesondere für Patienten ab 55 Jahren, empfiehlt eine langfristige Behandlung aber nicht.
Wer nachts regelmäßig aufwacht, sollte also nicht automatisch davon ausgehen, dass ein Melatoninmangel die Ursache ist.
Ausführlicher gehe ich auf verschiedene unterstützende Möglichkeiten auf meiner Seite über Naturheilverfahren bei Schlafstörungen ein.
Gerade bei naturheilkundlichen Verfahren zeigt sich allerdings, dass die Frage nach dem richtigen Mittel nur ein Teil des Problems ist. Oft lohnt sich vielmehr ein Blick auf die gesamte Lebensführung. Welche Anwendungen passen zusammen? Was lässt sich dauerhaft in den Alltag integrieren? Und was wird vielleicht zu Unrecht als Schlafproblem behandelt, obwohl die eigentliche Ursache ganz woanders liegt?
Was die moderne Schlaftherapie besonders gut kann
Bei länger bestehenden Durchschlafstörungen ist die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) die am besten untersuchte Behandlung.
Der Name klingt zunächst nach einer rein psychologischen Therapie. Tatsächlich geht es jedoch sehr konkret um den Schlaf.
Behandelt werden unter anderem ungünstige Schlafgewohnheiten, die Verknüpfung von Bett und Wachliegen, übermäßiger Schlafdruck und die Sorge vor der nächsten schlechten Nacht.
Das Verfahren verbindet die bereits erwähnte Stimuluskontrolle mit weiteren verhaltensbezogenen und gedanklichen Strategien. Auch eine gezielte Anpassung der Bettzeit kann dazugehören.
Die KVT-I kann in Einzel- oder Gruppentherapie und teilweise über therapeutisch begleitete digitale Programme durchgeführt werden.
Wichtig ist: Eine solche Behandlung bedeutet nicht, dass Ihre Beschwerden eingebildet wären. Auch bei gleichzeitig bestehenden körperlichen Erkrankungen kann eine Insomniebehandlung sinnvoll sein.
Mehr zu den unterschiedlichen Behandlungsansätzen finden Sie in meinem Überblick über Therapien bei Schlafstörungen.
Mein praktischer Vorschlag: Ein 14-Tage-Programm für besseren Schlaf
Bevor Sie wahllos neue Mittel ausprobieren, empfehle ich, Ihre Schlafgewohnheiten zunächst vierzehn Tage lang genauer zu beobachten.
Für diese Zeit können Sie ein einfaches Schlaftagebuch führen.
Notieren Sie morgens, wann Sie ungefähr eingeschlafen sind, wie oft Sie nachts länger wach waren, wann Sie aufgestanden sind und wie erholt Sie sich fühlen.
Halten Sie außerdem fest, ob Sie am Vorabend Alkohol getrunken, spät gegessen, intensiven Sport betrieben oder besonders viel Stress erlebt haben.
Parallel dazu empfehle ich folgende Gewohnheiten:
- Feste Aufstehzeit: Stehen Sie möglichst jeden Morgen etwa zur gleichen Zeit auf und suchen Sie frühzeitig Tageslicht.
- Regelmäßige Bewegung: Bewegen Sie sich möglichst täglich im Freien, ohne sich unmittelbar vor dem Zubettgehen übermäßig zu belasten.
- Koffein und Alkohol überprüfen: Reduzieren Sie Koffein am Nachmittag und verzichten Sie versuchsweise auf abendlichen Alkohol.
- Eine ruhigere letzte Stunde: Vermeiden Sie belastende Diskussionen, berufliche E-Mails und aufwühlende Medieninhalte.
- Erst bei Schläfrigkeit ins Bett: Vermeiden Sie langes, frustriertes Wachliegen. Stehen Sie vorübergehend auf, wenn Sie zunehmend angespannt werden.
Nach zwei Wochen haben Sie oft einen wesentlich besseren Überblick darüber, welche Faktoren Ihren Schlaf beeinflussen.
Manchmal zeigt sich bereits eine deutliche Verbesserung. Manchmal wird dadurch aber auch erkennbar, dass weitere Untersuchungen oder eine gezielte Schlaftherapie notwendig sind.
Das Schlaftagebuch kann dann eine wertvolle Grundlage für das Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder Schlaftherapeuten sein.
Wann sollten Durchschlafstörungen ärztlich untersucht werden?
Nicht jeder schlechte Schlaf erfordert eine umfangreiche Diagnostik.
Wenn die Beschwerden jedoch über Wochen anhalten, häufig auftreten oder Ihre Leistungsfähigkeit und Lebensqualität deutlich beeinträchtigen, sollte nach den Ursachen gesucht werden.
Besonders wichtig ist eine Abklärung bei lautem Schnarchen mit Atemaussetzern, ausgeprägter Tagesschläfrigkeit, nächtlicher Atemnot, wiederkehrenden starken Schmerzen oder erheblicher psychischer Belastung.
Auch neu aufgetretene Durchschlafstörungen nach einer Medikamentenumstellung verdienen Aufmerksamkeit.
Bei akuter schwerer Atemnot, Brustschmerzen oder anderen bedrohlichen Beschwerden ist eine sofortige medizinische Abklärung erforderlich.
Ein Schlaflabor ist nicht für jeden Betroffenen notwendig. Je nach Beschwerden können zunächst eine ausführliche Anamnese, körperliche Untersuchung, gezielte Laboruntersuchungen und ein Schlaftagebuch ausreichend sein.
Häufige Fragen zu Durchschlafstörungen
Was bedeutet es, wenn ich jede Nacht um 3 Uhr aufwache?
Die feste Uhrzeit allein erlaubt keine Diagnose. Häufig spielen der leichtere Schlaf in der zweiten Nachthälfte, Stress, Schlafgewohnheiten oder körperliche Auslöser eine Rolle. Entscheidend ist, ob weitere Beschwerden bestehen und wie lange Sie anschließend wach bleiben.
Ist es normal, nachts mehrmals aufzuwachen?
Ja. Kurze Wachphasen gehören zum normalen Schlaf. Behandlungsbedürftig werden sie vor allem dann, wenn Sie längere Zeit nicht wieder einschlafen können und tagsüber darunter leiden.
Warum kann ich nach vier Stunden Schlaf nicht mehr einschlafen?
Mögliche Ursachen sind innere Anspannung, ein ungünstiger Schlafrhythmus, Alkohol, Schlafapnoe oder andere nächtliche Störungen. Auch eine zu frühe Bettzeit kann dazu beitragen. Die tatsächliche Ursache lässt sich nicht allein aus der Schlafdauer ableiten.
Können Durchschlafstörungen von den Wechseljahren kommen?
Ja. Besonders Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche können den Schlaf unterbrechen. Bei entsprechenden Beschwerden ist eine gezielte Behandlung der Wechseljahressymptome sinnvoll.
Welche Hausmittel helfen beim Durchschlafen?
Ein warmes Fußbad, eine ruhige Abendroutine und eingeübte Entspannungstechniken können unterstützend wirken. Entscheidend ist aber, ob die Ursache beispielsweise in Stress, nächtlichem Harndrang, Atemstörungen oder Schmerzen liegt.
Helfen Schlaftabletten gegen Durchschlafstörungen?
Bestimmte Schlafmittel können kurzfristig helfen. Die Wahl hängt unter anderem von der Art der Schlafstörung und möglichen Begleiterkrankungen ab. Wegen Nebenwirkungen und teilweise erheblichem Abhängigkeitsrisiko sollten sie nur nach ärztlicher Prüfung eingesetzt werden.
Wer solche Medikamente bereits regelmäßig verwendet, sollte sie nicht eigenmächtig absetzen. Mehr dazu beschreibe ich in meinem Beitrag Schlaftabletten absetzen – aber wie?.
Fazit: Wieder durchschlafen beginnt oft schon am Tag
Wer nachts ständig aufwacht, sucht verständlicherweise nach einer Möglichkeit, möglichst schnell wieder einzuschlafen.
Doch die eigentliche Lösung liegt häufig nicht mitten in der Nacht.
Sie beginnt tagsüber: mit ausreichend Licht, Bewegung, einer vernünftigen Tagesstruktur, weniger dauerhafter Anspannung und einer Schlafumgebung, die echte Erholung ermöglicht.
Genauso wichtig ist es, körperliche Ursachen nicht zu übersehen. Eine Schlafapnoe, nächtliche Schmerzen oder hormonelle Beschwerden verschwinden nicht automatisch durch bessere Schlafhygiene.
Aus naturheilkundlicher Sicht sehe ich insbesondere in der Ordnungstherapie, regelmäßig geübten Entspannungsverfahren und einer individuell angepassten Lebensführung wertvolle Ansatzpunkte. Zu den einfachen unterstützenden Maßnahmen gehören für mich auch Wärmebehandlungen, etwa bei chronisch kalten Füßen, sowie sorgfältig ausgewählte Heilpflanzen und eine ausreichende Vitalstoffversorgung.
Bei chronischen Beschwerden sollte außerdem die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie berücksichtigt werden, deren Wirksamkeit wissenschaftlich gut belegt ist.
Mein wichtigster Rat lautet deshalb: Versuchen Sie nicht nur, das nächtliche Aufwachen zu bekämpfen. Finden Sie heraus, weshalb Sie wach bleiben.
Denn erholsamer Schlaf lässt sich nicht erzwingen. Aber seine Voraussetzungen lassen sich häufig deutlich verbessern.
René Gräber ist Heilpraktiker und seit 1998 in eigener Naturheilpraxis tätig. In seinen Veröffentlichungen beschäftigt er sich mit naturheilkundlichen Verfahren, Ernährung, Bewegung und den Grundlagen einer gesundheitsfördernden Lebensführung.
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin und weitere Fachgesellschaften: S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“, Update 2025, AWMF-Registernummer 063-003.
Ursachen
Für eine Durchschlafstörung kommen sowohl körperliche als auch psychische Störungen als Ursache in Betracht. So haben Menschen, die unter Herz-Kreislauf Erkrankungen leiden, häufig Durchschlafprobleme, da sie in der Nacht Schmerzen bekommen und von diesen geweckt werden. Durch einen erhöhten Blutdruck kann ein Erregungszustand während des Schlafes entstehen, der zu Durchschlafstörungen führt.
Bei einem zu niedrigen Blutdruck versucht der Körper möglicherweise, durch das Aufwachen den Kreislauf wieder zu stabilisieren. Auch Krankheiten an Leber, Gallenblase oder Lunge können zu Durchschlafstörungen führen, denn diese Organe sind in der Nacht am aktivsten. Ist ihre Funktion gestört, kann auch der Schlaf beeinträchtigt sein. Beim Restless-Legs-Syndrom hindern die zuckenden Beine den Patienten oft am Schlafen.
Aber auch eine Erkältung mit Reizhusten, ein Magen-Darm-Infekt und andere Beschwerden können den Schlaf so erheblich stören, dass ein Durchschlafen nicht mehr möglich ist. In solchen Fällen verschwinden die Durchschlafprobleme jedoch meist mit der auslösenden Krankheit.
Neben diesen körperlichen Ursachen können aber auch falsche Verhaltensweisen und psychische Probleme zu Durchschlafstörungen führen:
- Stress, Sorgen und Ängste belasten viele Menschen so, dass sie nach dem Aufwachen nicht wieder zur Ruhe kommen. Sie finden sich dann unmittelbar nach dem Aufwachen in einem „Gedankenkarussell“ wieder, aus dem sie nicht ohne weiteres aussteigen können.
- Alkohol und Schlaftabletten helfen zwar kurzfristig beim (Wieder-)Einschlafen, dafür sorgen sie aber für einen leichten Schlaf, aus dem man leicht wieder erwacht.
- Falsche Ernährung kann ebenfalls eine Ursache für Schlafstörungen sein. Wer zu viel, zu fett und/oder zu spät isst, nimmt seinem Körper die notwendige Ruhephase und stört den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus.
Bedingt durch diese Faktoren kommen die Betroffenen nicht richtig in den Schlaf und können die zur Erholung wichtige Tiefschlafphase nicht erreichen. Und aus dem leichten Schlaf können sie schon durch leise Geräusche oder Licht herausgerissen werden.
Ursächlich für Durchschlafstörungen sind bei Kindern und Jugendlichen sind in der Regel Alpträume, die durch unverarbeitete Erlebnisse, Sorgen oder Stress entstehen.
Hat man Probleme mit dem Durchschlafen, verstärken sich diese oft selbst, weil man beim Aufwachen schon damit rechnet, nicht wieder einschlafen zu können. Die Betroffenen konzentrieren sich dann angstvoll auf das Wachsein und verhindern so das entspannte Weiterschlafen. Deshalb reicht es oft schon nach einigen Wochen nicht mehr aus, die Ursache zu beseitigen, um die Durchschlafstörung zu beenden.
Therapie
Um eine Durchschlafstörung zu therapieren, muss zunächst die Schlafhygiene stimmen:
- Gewöhnen Sie sich einen regelmäßigen Schlafrhythmus an.
- Gehen Sie abends immer zur gleichen Zeit schlafen und stehen Sie morgens zur gleichen Zeit auf, auch am Wochenende.
- Bewegen Sie sich ausreichend und sorgen Sie für genügend frische Luft, so werden Sie besser müde.
- Vermeiden Sie Alkohol und Koffein, vor allem am Nachmittag und am Abend. (Ausnahme: Bei einem zu niedrigen Blutdruck kann eine Tasse Kaffee oder Schwarztee sogar den Schlaf verbessern.)
- Essen Sie spätestens gegen 19 Uhr ihre letzte Mahlzeit und achten Sie auf leicht verdauliche Speisen am Abend.
- Schaffen Sie sich ein „Einschlaf-Ritual“, das Sie jeden Abend wiederholen: eine Tasse Tee, ein paar Seiten Lesen oder Tagebuchschreiben, vielleicht ein Fußbad oder eine entspannende Musik. Nach einer Weile weiß Ihr Körper bei diesem Ritual, dass die Schlafenszeit ansteht und fährt automatisch seine Funktionen herunter.
- Ebenfalls von Bedeutung: Im Bett sollten Sie (fast) nur Schlafen. Essen, Lesen, Fernsehen, Diskutieren und Grübeln gehören nicht ins Bett!
Wenn Sie nachts erwachen und sofort ins Grübeln kommen, versuchen Sie, sich ganz auf Ihren Körper zu konzentrieren.
Wandern Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit in die einzelnen Körperteile und nehmen Sie so Ihren Körper wahr.
Oder konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem. Auch das hilft vielen Patienten, wieder zur Ruhe zu kommen und das Gedankenkarussell abzuschalten.
Wenn das nicht hilft, ist es besser aufzustehen als unnötig im Bett herumzuliegen. Gehen Sie einer möglichst langweiligen Tätigkeit nach und gehen Sie erst wieder ins Bett, wenn Sie wirklich müde sind.
Sie greifen lieber zu Medikamenten?
Davon rate ich dringend ab!
Schlafmittel sind meist entweder nutzlos oder können die Schlafprobleme längerfristig gesehen noch verstärken. Unter „Alternative Schlafmittel und Therapien“ finden Sie weitere Informationen.
Im Folgenden habe ich einige Tipps für Sie, wenn die Durchschlafstörungen trotz besserer Schlafhygiene nicht verschwinden:
Wenn das Einschlafen für Sie kein großes Problem ist, Sie dafür aber nachts ständig aufwachen (sogenannte Durchschlafstörungen oder Durchschlafprobleme) und sich dann schlaflos im Bett wälzen, sind folgende Punkte für Sie empfehlenswert:
Erstens: Begrenzen Sie strikt Ihren Aufenthalt im Bett (eine sogenannte Schlafrestriktion) und
Zweitens: Gehen Sie möglichst spät ins Bett! zu gehen.
Denn: Je weniger Zeit Sie im Bett verbringen, umso tiefer und erholsamer ist Ihr Schlaf.
Das 3-Phasen-Modell gegen Durchschlafstörungen und Durchschlafprobleme
1. Phase: Versuchen Sie als erstes herauszufinden, wie viele Stunden Sie wirklich pro Nacht schlafen (zum Beispiel fünf Stunden).
2. Phase: Gehen Sie so ins Bett, dass Sie bis zum nächsten Morgen genau diese Zeit schlafen können (plus 15 Minuten zum Einschlafen) Beispiel: Schlafengehen um 1.00 Uhr + 5 Stunden Schlafzeit = Aufstehen um 6 Uhr). In diesem Fall würden Sie um 0.45 ins Bett gehen und den Wecker für 6.00 Uhr stellen.
3. Phase: Wenn Sie bis auf kurze Aufwachphasen wirklich die meiste Zeit schlafen, steigern Sie die Bettliegezeit um 30 Minuten. Stehen Sie aber morgens immer zur gleichen Zeit auf. Beispiel: Schlafengehen jetzt um 0.30 Uhr + 5 Stunden Liegezeit = Aufstehen um 6.00 Uhr.
So können Sie innerhalb von ein bis drei Monaten nach und nach Ihre Schlafdauer auf das für Sie optimale Maß (zum Beispiel sieben bis acht Stunden) hochfahren. Am besten beginnen Sie mit der 2. Phase im Urlaub oder zu Zeiten, in denen Sie morgens keine wichtigen Dinge zu erledigen haben.


