Header Graphic
 

Schlaftabletten und Schlafmittel absetzen - Aber WIE??

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Schlaftabletten sollten in der Regel nicht länger als 2, maximal 4 Wochen eingenommen werden. Man hat das Gefühl, man könne nicht mehr "ohne" einschlafen. Da unser Unterbewusstsein uns sehr beeinflusst, greift man daher lieber zum Präparat, da man sonst tatsächlich wieder an Schlafmangel leidet.

Es ist wichtig, mit der Einnahme der Medikamente nicht abrupt aufzuhören. Ansonsten kann es passieren, dass man mehrere Nächte keinen Schlaf findet - und bald doch wieder auf das Gewohnte zurückgreift.

Besonders bei längerem Konsum von Schlaftabletten - also über mehrere Monate oder sogar Jahre wird empfohlen, sie langsam - "schleichend" - und in Absprache mit einem Arzt abzusetzen.

Alternativen zum Absetzen von Schlaftabletten

Um Entzugserscheinungen so gering wie möglich zu halten, sollte die Dosierung der Schlafmittel langsam und stetig – schleichend – vermindert werden. Wie schnell oder langsam so ein Dosierungsrückgang erfolgen kann, das bestimmt in der Regel der behandelnde Arzt.

Als Daumenregel kann man sagen, dass die Dauer des Ausschleichens in Bezug steht zur Dauer der Einnahme des Medikaments. Das heißt in der Praxis, dass eine jahrelange Einnahme von Schlafmitteln eine Entzugstherapie in Anspruch nehmen wird, die sich über einige Monate hinwegzieht. Ist die Dauer der Schlafmitteleinnahme kürzer, dann verkürzen sich auch die Zeiten für das Ausschleichen.

Die Professoren Hajak und Rüther geben in einem im Jahr 1995 erschienenen Buch „Insomnie“ folgende Empfehlung für das Ausschleichen von Schlafmitteln:
Für das Ausschleichen bei einer Kurzzeiteinnahme (das heißt nur wenige Wochen) empfehlen die Psychiater, dass die Dosis alle drei Tage halbiert wird. Diese Form der Dosisreduktion wird so lange fortgeführt bis dass man bei einem Viertel der ursprünglichen Dosis angelangt ist.

Praktisch wird man auf dieser Grundlage schon nach der zweiten Reduktion bei den 25 Prozent der Ausgangsdosis ankommen (erste Halbierung = 50 Prozent, zweite Halbierung = 25 Prozent). Dann wird das Schlafmittel nach weiteren drei Tagen ganz abgesetzt.

Als Alternative empfehlen die Autoren eine „Intervalltherapie“. Hier wird nicht die Dosis verringert, sondern die Intervalle, in denen das Schlafmittel eingenommen wird, werden verlängert. Der Patient beginnt damit, nicht jeden Abend seine Pille zu nehmen, sondern nur noch jeden zweiten Abend. Dann nach geraumer Zeit nur noch jeden dritten Abend und so weiter.

Diese Intervalltherapie kann auch modifiziert werden. Die Modifikationen sehen so aus, dass der Patient an bestimmten Wochentagen die „normale“ Dosis zu sich nehmen darf, an den restlichen Wochentagen jedoch nur die Hälfte. Eine Woche später wird dann die Hälfte auf ein Viertel reduziert, ohne die Dosis der „normalen Tage“ zu verändern. Die dritte Woche ist die Woche, wo man mit dem Versuch starten kann, das Schlafmittel vollkommen auszusetzen, sowohl die „normale“ Dosis als auch die reduzierte Dosis an den dazwischen liegenden Tagen.
Bei einer vorausgegangenen Langzeiteinnahme sieht die Sache deutlich komplizierter aus. Unter Langzeitgebrauch verstehen die beiden Professoren eine Einnahme von Monaten bis hin zu Jahren.

Da ein längerer Gebrauch der Schlafmittel vorliegt, verlängert sich auch die Ausschleichzeit. Bei einer Einnahme von mehr als drei Jahren ermittelten die Autoren eine Entwöhnungszeit von eins bis zwei Jahren. In der Praxis jedoch gibt es kaum Möglichkeiten, eine so lange Ausschleichzeit durchzuführen. Dementsprechend groß sind die Probleme bei diesen Patienten, die meist mit anderen Medikamenten in Angriff genommen werden.

Bei einer Einnahmezeit von eins bis drei Jahren ermittelten die Autoren eine Entwöhnungszeit von einem halben bis einem Jahr. Und bei einer Einnahmezeit von unter einem Jahr beträgt die Ausschleichzeit drei bis sechs Monate.
Während der Ausschleichzeit sollte dann im ersten Viertel der anvisierten Entwöhnungstherapie die Dosis schrittweise halbiert werden. In den restlichen drei Viertel dann erfolgt eine vorsichtige Dosisreduktion in Abhängigkeit von den sich dabei ergebenen Symptomen.

Aber auch hierzu bieten die beiden Autoren Alternativen.

Die erste sieht so aus, dass die Dosis wöchentlich zum Beispiel an einem Tag der Woche halbiert wird bis dass die halbe Dosis an allen Tagen der Woche gegeben werden kann. Nach diesem Schema wird dann nur noch die Hälfte der halben Dosis gegeben und so weiter, bis dass der Patient keinen Bedarf nach Schlafmitteln mehr verspürt.

Der Arzt muss auch entscheiden, ob er ein anderes Medikament, zum Beispiel ein sedierendes Antidepressivum, zur Unterstützung der Entzugstherapie einsetzen will oder muss. In der Regel müssen dann aber auch diese Medikamente schleichend abgesetzt werden.

Noch eine Alternative:

Statt in der Woche jeweils einen Tag einzuführen, an dem der Patient nur die halbe Dosis nimmt, wird die Halbierung sofort für alle Tage der Woche durchgeführt. Dafür verlängert der Arzt die Zahl der Wochentage, nach denen es zu einer erneuten Dosisreduktion kommt. Auch hier kann der behandelnde Arzt entscheiden, ob ein zusätzliches Medikament sinnvoll oder notwendig ist oder nicht.

Übersicht:

Bei einer Kurzzeiteinnahme

  • Halbieren der Dosis alle 3 Tage
  • Intervalltherapie mit zunehmend größeren Einnahmeintervallen:
    erst jede zweite Nacht, dann jede dritte und so fort
  • Kontrollierte Intervalltherapie:
    3 Tage pro Woche darf die normale Dosis eingenommen werden,
    die Tage dazwischen wird wochenweise reduziert:
    Woche 1: halbe Dosis
    Woche 2: viertel Dosis
    Woche 3: weglassen

Langzeiteinnahme:

Die Absetzdauer richtet sich nach der Einnahmedauer - nach einer Faustregel:

  • Einnahme mehr als 3 Jahre: 1 - 2 Jahre absetzen
  • Einnahme 1 - 3 Jahre: 6 - 12 Monate absetzen
  • Einnahme bei ca 1 Jahr: 3 - 6 Monate absetzen

Es empfiehlt sich, einen Arzt aufzusuchen, der einem beim Absetzen des Medikamentes beratend zur Seite steht. Hilfreich ist es, gleichzeitig ein Schlaftagebuch zu führen - dies erleichtert die Kontrolle und zeigt Fortschritte oder mögliche Probleme der Behandlung auf.

Oftmals können die oben beschriebenen Absetzzeiträume durch gleichzeitige Therapiemaßnahmen (medikamentös oder nichtmedikamentös) verkürzt werden. Dies richtet sich ganz individuell nach den einzelnen Patienten.

Man sollte beachten, dass trotz vorsichtiger Reduzierung der Medikamente Verschlechterungen des Schlafes von 1 bis 3 Tagen Dauer auftreten können. Dies ist jedoch normal und sollte nicht dazu verleiten, rückfällig zu werden und vorschnell wieder die ursprüngliche Dosis des Schlafmittels einzunehmen.

Letztmalig bearbeitet am: 10.4.2018