Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
So finden Sie Ihren Schlafrhythmus
Jeder Mensch hat eine innere Uhr, die auf einen ganz bestimmten Takt eingestellt ist. Dieser Takt
richtet sich nach dem Tag-Nacht-Zyklus. Während dieser Periode gibt es für jeden Menschen normalerweise immer
wiederkehrende Phasen der Schlaf- und Wachzeit.
Stimmung, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden orientieren sich daran, wie diese Zeiten tatsächlich eingehalten
werden. Schläft man regelmäßig zu "seiner" Zeit, so ist die innere Uhr im "Takt".
Ursprünglich ist der Bio-Rhythmus des Menschen nach dem Tageslicht ausgerichtet. Der Körper produziert deshalb
im Dunklen am besten das Schlafhormon Melatonin. So neigt man im Dunklen (also
Nachts), eher zum Schlafen und ist am Tag, beziehungsweise bei Sonneneinstrahlung, in der Regel besonders wach und
aktiv. Deshalb haben sich die Menschen ihr Familien- und Arbeitsleben normalerweise so eingerichtet, dass sie
Nachts schlafen und am Tag aktiv sein können.
Das Schlafbedürfnis der meisten Menschen liegt bei ca.
acht Stunden Schlaf. Dabei sind die Schlaf- und die Wachphasen deutlich voneinander abgegrenzt. Nur bei sehr alten
Menschen können sie ineinander übergehen. Das zeigt sich unter anderem in sogenannten "Dämmerschläfchen" zu
verschiedenen Tageszeiten.
Die Schlafforschung kennt eine offizielle Einteilung in Eulen und Lerchen. Nachteulen sind Menschen, die morgens
nur schwer aus den Federn kommen und dafür abends länger aktiv sind. Die meisten Europäer glauben, diesem Typ zu
entsprechen. Muss man seinen Rhythmus umstellen, so kann man das durch die Verwendung von Kunstlicht (Lichttherapie) unterstützen.
Gerät jedoch bei jüngeren Menschen die innere Uhr aus dem Takt, regiert der Körper mit Antriebslosigkeit und mit
teilweise starken Kopfschmerzen. Ein Beispiel für das Verstellen der inneren Uhr ist die jährliche Umstellung von
Winter- auf Sommerzeit. Auf diese kleine Verschiebung stellen sich die meisten Menschen problemlos ein.
Störungen des Schlafrhythmus
Ist dieser Rhythmus gestört, sind in der Regel massive Schlafprobleme die Folge. Das Problem eines gestörten
Schlaf-Wach-Rhythmus ist vielschichtig.
Demzufolge werden zumindest sechs verschiedene Arten dieser Störungen unterschieden und demzufolge auch auf
unterschiedliche Weise therapiert:
Jet Lag
Der Jet Lag resultiert aus einer Abweichung vom inneren Zeitempfinden zur tatsächlichen Zeit. Es setzt immer
dann ein, wenn eine Zeitzone verlassen wird und der Reisende in einer anderen landet, oder gar mehrere Zeitzonen
durchläuft.
Fernreisen haben meistens ein Jet Lag zur Folge. Wie massiv es vorübergehend ausbricht, ist von Mensch zu Mensch
unterschiedlich. Die Symptome reichen von Einschlaf- und Durchschlafstörungen über eine verstärkte
Tagesschläfrigkeit bis hin zur reduzierten Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus können sich auch
Konzentrationsprobleme, ein allgemeines Unwohlsein und Probleme mit Magen und Darm einstellen. Des Weiteren leiden
die Betroffenen oft auch unter Appetitstörungen. Ein Jet Lag dauert meist nur einige Tage an.
Schichtarbeit
Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus sind auch häufig Ursache jahrelanger Schichtarbeit. Eine extreme
Wechselschicht lässt keinen geordneten Schlafrhythmus aufkommen. Einschlaf- und Durchschlafstörungen sind die
Folge. Schichtarbeitende haben zudem ein erhöhtes Schlafbedürfnis während des Tages und fühlen sich oft wie
gerädert. Die meisten Schichtarbeiter unterliegen dem ständigen Zwang, entgegen dem normalen Rhythmus wach zu sein
oder auch schlafen zu müssen. Dabei ist der Schlaf am Tag nie so erholsam und tief, wie er es in der Nacht ist. Auf
die Dauer kann das krank machen. Betroffene klagen immer wieder über Magen-Darm-Beschwerden. Nicht selten kommt es
auch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem beeinträchtigt ein jahrelanger Schichtdienst nicht selten die sozialen
Kontakte. Familie und Freunde kommen oft zu kurz. Für Freizeitaktivitäten bleibt kaum Freiraum. Obwohl der Wechsel
an einen Arbeitsplatz mit regelmäßigen Arbeitszeiten oft die beste Lösung wäre, um auf Dauer nicht zu erkranken,
ist das leider nicht immer möglich.
Das verzögerte Schlafphasensyndrom
Diese Form der Rhythmus-Störung liegt häufig bei Menschen zugrunde, die als sogenannte Abendmenschen bezeichnet
werden. Sie haben Probleme, zu einer normalen Zeit einzuschlafen. Je später der Abend, desto wacher fühlen sie
sich. Bis weit in die Nacht sind diese Menschen dann aktiv. Als Folge haben sie ein massives Problem, zur normalen
Aufstehzeit zwischen 7 und 8 Uhr morgens aufzuwachen. Sie benötigen eine sehr lange Anlaufphase. Über den Tag kommt
es nicht selten zu Konzentrationsstörungen.
Oftmals fängt das verzögerte Schlafphasensyndrom bereits in der Jugend an. Gerade junge Menschen gehen häufig
spät zu Bett und stehen morgens später auf. Irgendwann, wenn der berufliche Alltag einkehrt und von den Betroffenen
normale Schlaf-Wach-Zeiten einfordert, tauchen dann Probleme auf.
Zu den Therapiemaßnahmen gehört die sogenannte Chronotherapie, bei der täglich eine 3-stündige
Verschiebung des Schlaf-Wach-Rhythmus nach rechts auf der 24h-Skala erfolgt. Das heißt, der Betroffene muss täglich
drei Stunden länger wach bleiben. Irgendwann ist dann der normale Einschlaf- und Zubettgehzeitpunkt erreicht.
Unterstützend wirkt hier eine Lichttherapie. Des Weiteren hat der Betroffene sich konsequent an eine sogenannte
Schlafhygiene zu halten. Hier werden Zubettgeh- und Aufstehzeit minutiös festgelegt, und sind unbedingt
einzuhalten. Eine Schlafrestriktion, bei der die im Bett verbrachte Zeit
verkürzt wird, soll zudem den Schlafdruck maximieren und zur Stabilisierung des neuen Schlafrhythmus beitragen.
Eine unterstützende Medikamentengabe erfolgt zumeist in Form von Stimulanzien, Melatonin oder Hypnotika.
Das vorverlagerte Schlafphasensyndrom
Das vorverlagerte Schlafphasensyndrom ist, vereinfacht ausgedrückt, der Umkehrfall zum verzögerten
Schlafphasensyndrom. Die Zubettgehzeiten der Betroffenen sind, gegenüber den normalen, zu früh, sodass sie
dementsprechend auch viel zu früh des Morgens aufwachen. Nicht selten wissen diese Menschen mit dem Abend nichts
mehr anzufangen, gehen demzufolge bereits um 20 Uhr zu Bett und erwachen nicht selten nachts um 3 Uhr. Besonders
häufig tritt diese Störung bei älteren Menschen auf. Sie gehen oft einfach aus Langeweile früh zu Bett und wachen
dann viel zu früh auf. Die Therapie gestaltet sich ähnlich der des verzögerten Schlafsyndroms. Auch hier handelt es
sich um eine Kombination aus Chronotherapie, Schlafhygiene und abendlicher Lichttherapie.
Die Schlaf-Wach-Störung als Folge einer Diskrepanz im 24-Stunden-Rhythmus
Betroffene leben nicht nach einem 24-Stunden-Rhythmus. Ihr täglicher Rhythmus übersteigt 24 Stunden. Somit sind
Einschlaf- und Aufwachzeit täglich circa 1-2 Stunden verschoben. Diese Menschen leben in erster Linie nach der
inneren Uhr. Äußere Zeitgeber haben keinen Einfluss auf die Betroffenen. Sehr häufig ist diese Störung des
Schlaf-Wach-Rhythmus bei Blinden anzutreffen. Ihnen fehlt das Tageslicht, das maßgeblich den Rhythmus bestimmt und
ein wichtiger äußerer Zeitgeber ist.
Therapiert wird diese Störung hauptsächlich, in dem eine Stabilisierung des Schlaf-Wach-Rhythmus angestrebt wird,
und zwar zu dem Zeitpunkt, wenn die Zeit des Einschlafens in einer erwünschten und normalen Abendzeit liegt. Klare
Zeitgeber müssen Signale setzen und konsequente Verhaltensmaßnahmen erfolgen. Wecker, morgendliche Lichttherapie,
Gymnastik sind einige Helfer. Die Therapie wird meistens medikamentös unterstützt (Vitamin B12, Melatonin,
Hypnotika)
Das unregelmäßige Schlaf-Wach-Muster
Wie es die Bezeichnung bereits aussagt, gestaltet sich diese Schlaf-Wach-Rhythmus-Störung nach einem gänzlich
unvorhersehbaren Muster. Mehrere Schlaf- und Wachphasen wechseln sich über 24 Stunden hinweg ab. Oftmals sind es
Demenzkranke, die unter dieser Schlafstörung leiden. Auch andere hirnorganische Veränderungen führen zu Störungen
der “inneren Uhr“. Vereinzelt gibt es aber auch Fälle, die von Kindesalter an einem gestörten Rhythmus leiden. Hier
ist von einer angeborenen Fehlfunktion auszugehen. Therapiert wird über die Einhaltung klarer Verhaltensmaßnahmen.
Das Setzen erkennbarer Zeitgeber und Lichtgabe werden hier praktiziert. Unterstützend erfolgt eine Medikamentengabe
(Stimulanzien und Hypnotika).
Fazit
Ganz gleich, an welcher der vorgenannten Schlaf-Wach-Störung ein Mensch letztendlich leidet: ich meine, dass
alle Patienten spezielle Hilfestellungen oder Therapien haben sollten. Ein gesunder und gleichmäßiger Schlaf ist
wichtig.
Jeder hat sicher schon einmal an sich selbst festgestellt, dass Müdigkeit unausgeglichen und reizbar macht.
Darüber hinaus ist es oft schwer für die Betroffenen, den Tag zu überstehen und den Alltag zu meistern. Die
Anforderungen des Berufslebens sind hoch.
Da ist es wichtig, ausgeschlafen und fit zu sein, um diesen Anforderungen gerecht werden zu können. Schlaflosigkeit kann letztendlich sogar eine Gefahr darstellen. Egal, ob als Autofahrer oder als
Arbeiter an einer Maschine, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche hat oft genug Unfälle zur Folge. Irgendwann wird
letztendlich auch die Gesundheit stark beeinträchtigt. Lang andauernde Schlafstörungen können unter anderem
Herz-Kreislauf-Probleme und Magen- und Darmbeschwerden verursachen.
Anders verhält es sich beim Überfliegen mehrerer Zeitzonen. Dann muss der Körper plötzlich wach sein, wenn es
nach seiner Uhr Nacht ist. Trotzdem hat er nach einiger Zeit diese Umstellung verkraftet. Viele Menschen können
sich an Veränderungen anpassen. Deshalb ist es auch möglich, am Polarkreis zu leben, wo es im Winter nur Dunkelheit
und im Sommer nur Licht gibt.
Letztmalig bearbeitet am: 22. April 2009
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